

|
Umgang mit dem Tod
Kann der Tod auch mein Freund sein?
|
In unserer Gesellschaft nimmt der Tod eine merkwürdige Rolle ein. Einerseits sehen wir allabendlich im Fernsehen Tod und Sterben, Kriege, Naturkatastrophen, Terroranschläge; Unfälle, Mord, Spielfilme, Serien, Krimis usw. Im wirklichen Leben jedoch werden wir anderseits kaum mit dem Tod oder den Anblick einer realen Leiche konfrontiert.
Aufgrund von steigender Lebenserwartung z. B., stehen die meisten Menschen in unserer Gesellschaft erst zwischen 40 und 50 Jahren erstmalig mit Tod und Sterben in der Familie gegenüber. Desto hilfloser sind wir auch im Umgang mit Sterbenden, denn diese Lebensphase gehört nicht mehr zum normalen Leben dazu. Wir müssen die Sprachlosigkeit im Umgang mit dem Tod überwinden.
Den Umgang mit Sterben, Tod und Trauer haben wir verlernt. Dazu kommt, dass das Sterben in unserer westlichen Welt aus dem Haus gegeben wird. Laut Statistiken findet heute zu 80% das Sterben im Krankenhaus, sowie in Alten- und Pflegeheimen statt . Immer übt der Tod mit seiner Endgültigkeit eine beklemmende Macht aus. Der Tod und die Frage nach einem eventuellen Danach bleiben stets geheimnisvolls, obwohl wir bereits einiges über die Todesnähe wissen.
Häufig erkennen wir nicht mal den Leichenwagen als solcher! Aber der Tod gehört zum Leben dazu, er ist gar ein wichtiger Teil davon!
|
|
Wir ertragen den Anblick eines sterbenden Menschen nicht. Vor Hundert Jahren gehörte Krankheit und Leid noch zum täglichen Leben. Während der letzten Tage versammelte sich die ganze Familie, die ganze Verwandtschaft, Freunde, ja das ganze Dorf kam, um sich von dem Sterbenden zu verabschieden, den Angehörigen Hilfe anzubieten. Der Sterbende war der Mittelpunkt, alles drehte sich um ihn. Anschließend wurde gemeinsam die Totenwache gehalten. Ein schöner Brauch, der heute kaum noch gehalten wird. Die Aufbahrung und Totenwache ist ein würdiges Ritual, eine respektvolle Begleitung für den Toten und für die Lebenden auf ihrem letzten Weg des Abschieds.
|
Die Menschen früherer Zeiten haben die letzten Stunden auf dem Sterbebett als einen feierlichen und ehrenvollen Augenblick begriffen, das letzte Zusammensein wurde regelrecht zelebriert. Die Sterbenden erwarteten sogar solch einen Abschied, er stand ihnen zu. Ein Sterben in Geborgenheit inmitten der Familie wurde früher meist mit der Hoffnung auf Erlösung und ein Weiterleben nach dem Tod verbunden.
|
"Alle weltlichen Dinge sind nur ein Traum im Frühling.
Betrachte den Tod als Heimkehr.
Wir verstehen das Leben nicht.
Wie sollen wir dann das Wesen des Todes erfassen?"
Konfuzius
|
   |
Die Kunst des Sterbens
Die Frage des Lebens neu zu stellen, bedeutet also, über den Körper als endliche Hülle nachzudenken, über die Bedeutung von Seele und Geist nachzudenken, über die Vergeistigung und die Wandlung nachzudenken. Eine Reflexion mit einem anderen Bewusstsein, mit einem anderen Tiefgang. Dies ist schwierig in unserer Gesellschaft! Eine Gesellschaft gekennzeichnet von Schaffenskraft, Erfolg, Leistung, Machbarkeit, wo Leiden und Sterben bekämpft werden. Sterbe ich lebenserfüllt, oder lebensmüde...? Die Kunst des Sterbens - die "ars moriendi" - ist eine Aufgabe für jeden für uns!
Sich in aller Ruhe und Würde die Sinnfrage des (eigenen) Lebens stellen, sein „Haus zu bestellen“, Rückschau zu halten, Dankbarkeit zu empfinden, zu verzeihen und verziehen zu werden, auszuhalten, ja, auch Schmerzen - die Geburt eines Kindes ist ebenso mit Schmerzen verbunden! Das Sterben und der Tod ist ein sehr bedeutsamer Übergang, den es sich wahrlich lohnt, bewusst anzuschauen, ja auszukosten! Die letzte irdische Möglichkeit zu wachsen und das Geschenk der Spiritualität anzunehmen! Ich wünsche jedem Mut und ein offenes Herz, den eigenen Weg zu finden und zu gehen!
|
|
|
|
 |